Deutschland zappelt in der Krise und ist in einer Art Depressionsglocke gefangen.

Was sind die Gründe? Sind es wirklich nur die zu hohen Lohn- und Lohnnebenkosten, ist es der überbordende Staat, das schlechte Bildungssystem? Ich wage als Unternehmer, der selber einen hochprofitablen Betrieb führt, mal eine andere These: die Unternehmer haben versagt. Wenn dem so ist, brauchen wir dann eine Art Pisa-Studie für Unternehmer?

Nehmen wir die geradezu exponentiell gestiegenen Konkurse. Es gibt den Druck der Märkte. Dennoch, vor fast jedem Konkurs steht der intellektuelle Konkurs, steht der Bankrott der Innovationskraft eines Unternehmens, der Verlust des nüchternen Blicks, die Blindheit gegenüber dem Marktgeschehen und nicht selten eine geradezu abenteuerlich mystifizierte Fehleinschätzung der innerbetrieblichen Organisation.

Doch fragen wir mal tiefer: was ist überhaupt ein Unternehmer?

Ist ein Betrieb ein Handlungssystem zur Profiterzielung, so ist der Unternehmer derjenige, der diesen Prozess stofflich, ökonomisch und sozial führt. Er analysiert den Markt, setzt Produkt- oder Dienstleistungsziele und führt den innerbetrieblichen Handlungsprozess sowie den nach außen orientierten Vertrieb.

Dazu muss er willensstark sein und engagiert, doch vor allem muss er wie ein Feldherr auf den Hügeln der Märkte das Ganze überblicken und vorausschauend Zukunft sehen. Er muss in der Lage sein, gute Mitarbeiter zu rekrutieren (alleine dies ist oft schon eine Titanenarbeit) und innovative Prozesse ermöglichen.

Die große Unternehmerpersönlichkeit ist universell gebildet aber nicht akademisch, kommunikativ aber nicht schwatzend, entscheidungsklar aber nicht autoritär. Er verfügt über Innovationskraft und ausgeprägte soziale Kompetenzen und weiß, was Gerechtigkeit ist. Vor allem hängt er nicht am Tropf der Berater. Er weiß, nachdem er sich – wie auch immer – informiert hat, selber zu entscheiden. Er setzt Ziele und gibt seinen Mitarbeitern Zukunft.

Soweit das Ideal. Doch schauen wir einmal in die oft triste Wirklichkeit des unternehmerischen Alltags. Viele Unternehmer führen ein durch die betriebliche Handlungsstruktur geradezu gezüchtetes Leben. Dieses ist in seiner mageren Einseitigkeit kaum noch zu überbieten. Hat der Unternehmer den Betrieb oder der Betrieb den Unternehmer, er Geld oder das Geld ihn, ist er freier, bewusst handelnder Akteur oder eine Art Getriebener, der an den Fäden der Zwänge und Strukturen sein Tänzchen aufführt?

Was tun? Es klingt paradox, aber der wirklich produktive Unternehmer bedarf des glücklichen Lebens. Einen Teil des Glücks saugen wir aus Freundschaft, Liebe und sozialem Engagement. Wer das nicht hat, wird schnell zum Workaholic, blind, nicht selten sogar cholerisch. Einen anderen Teil des Glücks gibt es, wenn ich an der Kultur teilhabe, ganz gleich ob Oper, Rock, Literatur oder Kino.

Das Zentralstück ist es aber, als Mensch lernfähig zu bleiben. Dies wird jenseits der Ausei
nandersetzung mit dem geschriebenen Wort nur schwer möglich sein. Die Rede ist nicht von all den Büchern, die uns in platter und fader Art zeigen wollen, wie man Mitarbeiter motiviert, das Controlling verbessert etc. Die mögen mal Sinn machen, ich mag sie nicht. Ich lese lieber die Werke der Weltliteratur und der Philosophie.

Noch schöner ist es zu schreiben, daraus saugen Sie unendlich viel Kraft.
Es gibt keine Patentrezepte, und ich will mich hüten, den Weisen zu spielen, denn ich bin es nicht. Dies eine aber ist sicher: der Unternehmer muss das Handlungssystem Betrieb zu einem lernenden System machen. Expandierende Betriebe sind immer auch solche, in denen die Menschen als Menschen expandieren. Lernen und Erkenntnis sind dabei von geradezu revolutionärer Kraft.

 


 

Kunst- & Literaturpark SCHLOSS HUBERTUSHÖHE