Unser Planet ist aus Staub geboren, dieser verdichtete sich zur Protoerde. Die Ur-Erde, anfangs noch kühl, zog wie ein kosmischer Staubsauger große Massen an. Erhitzt durch die Aufschläge schwerer Brocken und die Gravitation, wuchs die Erde zum Feuerball. Alsdann flossen die schweren Eisen-Nickel-Bestandteile ins Erdinnere, so dass die der Kälte des Alls ausgesetzte Erdkruste sich abkühlte und kondensierte. Nun entstanden Meere, aus denen an einigen Stellen Land herausragte. Das Wasser stabilisierte die Temperaturen und schuf die Vorrausetzungen für die Entstehung des Lebens. Der mit einer Kruste überzogene Feuerball Erde rast immer noch durch das frostige All, die Glut liegt inzwischen aber unter unseren Füßen und auf der erkalteten Haut des Glutenballs ist ein Paradies entstanden.

Auf der durch die Atmosphäre geschützten Erdoberfläche entwickelten sich zunächst einzellige organische Wesen, dann Pflanzen, später Bäume (Bäume sind die erfolgreichsten Pflanzen), Insekten, Fische und Reptilen. Das Grün der Erde - und damit das Leben - verdankt sich der Fähigkeit der Pflanzen, ihre grünen Blattantennen zur Sonne hin auszurichten und die von der Sonne geschenkte Energie in Wachstum zu transformieren. Die Pflanzen schufen zugleich das Fundament des atmenden Lebens, denn sie entzogen der Atmosphäre in Urzeiten die giftigen Stickoxide und schenkten ihr im Gegenzug Sauerstoff. Das CO2 liegt nun, chemisch verwandelt, tief in der Erde eingelagert in den Kohleflözen und Ölfeldern. Rauben wir unserem Planeten diese Stoffe, um sie zu verbrennen, werden die eingelagerten Gifte wieder frei. Wir kehren dann den Prozess, der erträgliche Temperaturen und atmendes Leben überhaupt erst ermöglicht hat, wieder um.

Die moderne Zivilisation gleicht einem plündernden Söldnerheer, dass die von der Natur über hunderte Millionen Jahre angesparten Ressourcen ihren Schatzkammern entnimmt und ohne Rücksicht auf die Folgen verprasst.
Und was weiß der Einzelne über den inneren Zusammenhang seiner persönlichen Lebensweise mit dem Tot der Eisbären? Wir wollen hier nur einen Zusammenhang aufzeigen:

 

Das durch Verbrennung freigesetzte CO2 zerstört die eisbedeckten Flächen und lässt in wärmeren Regionen Flutkatastrophen und Stürme entstehen.
Wer verlieh den Menschen das Recht, derart in das Klima einzugreifen, dass die Eiskontinente schmelzen? Gibt es nicht ein Recht der Eislandbewohner an den Eisbergen oder existiert gar ein Recht der Eiskontinente an sich selbst? Und was ist mit den Ländern, denen der steigende Meeresspiegel das Land raubt?
Die Menschheit feiert eine ökologisch verheerende Party, an der wir alle teilnehmen.
Die von der Sucht nach quantitativem Wachstum getriebene Zivilisation hat dabei Teile der Technik wie Flammenwerfer gegen die Natur gestellt und reibt sich nun angesichts der verbrannten Erde die Augen.
Wie aber kann ein Zivilisations- und Konsumtypus aussehen, der es versteht, ein hohes Maß an Lebensqualität mit behutsameren Eingriffen in die Natur und bedeutend geringerem Energieverbrauch zu verbinden?

Das Projekt Stella Polaris will zur Umkehr mahnen und versucht zugleich, die sterbende Schönheit unserer Eiskontinente auf Fotos und Filmen zu bannen. Die Filmemacher, Fotografen und Beleuchter archivieren, was es mit hoher Wahrscheinlichkeit in einigen Generationen nicht mehr gibt. Da unsere weiß –kristallinen Kontinente über Winter für Wochen ins Dunkel gehüllt sind, können moderne LED Lampen die faszinierendsten Teile der Landschaft in einer Form zeigen, die zuvor kein Mensch sah.
Das Dunkel der Nacht verschließt die Sinne, Licht hingegen, öffnet mit jedem Photon Räume von betörender Schönheit. Naomi Baumgartl und Sven Nieder hoffen, mit ihren Bildern der schmelzenden Polarkontinente auch das Eis, das unsere Hirne und Herzen überzogen hat, zum Schmelzen zu bringen. Letztlich, dies sei klar gesagt, geht es dabei um nichts weniger als um einen neuen Typus ökologisch orientierter Zivilisation.

 

Kunst- & Literaturpark SCHLOSS HUBERTUSHÖHE