Light Art Performance Photography wird - wie alle Kunst - aus der Aktivität geboren. Vita Aktiva, das tätige Leben, erfordert Mut. Viele Menschen sind unmutig, nichtmutig, ja gegen-mutig. Sie fürchten die Widerstände, die der Mut hervorbringt. Furcht dagegen hemmt. Es gibt eine Furcht zu lernen, zu handeln, zu lieben, zu leben.

Ist die Furcht einmal durch das Tor wiederholten Scheiterns in die Persönlichkeit eingeflossen, haben wir ein Problem. DerMensch gibt auf, als Zwillingsschwester der Furcht stellt sich nicht selten die Unlust ein.
Das Leben verliert an Tiefe. An die Stelle authentischer Erfahrungen tritt das Surrogat zirkelhafter Wiederholungen. In der Zeit, die neben der Arbeit bleibt, tritt die seichte Unterhaltung der kommerziell organisierten Massenkultur. Plattes Amüsement aber ist Leben aus zweiter Hand, Scheinleben, unecht.

Der Mensch ist eine Möglichkeit zu werden. Nur in der Überwindung von Widerständen reifen wir zu Persönlichkeiten heran, und so wenig es eine große Liebe ohne großen Schmerz gibt, ist echte Kunst nicht für das Kleingeld anstrengungsloser Routinehandlungen zu haben.

Kunst kann das Individuum und die Gesellschaft nur deshalb bewegen, da sie selber aus der Bewegung kommt. Ein Kunstwerk ist immer ein in ein Werk eingefrorener Prozess. Dieser Pro-zess bedarf seinem inneren Wesen nach zunächst einer kreativen Idee. Kreativität ist Rebellion gegen die Schwerkraft der Gewohnheit und Tradition. Nicht selten ist sie auch ein Akt der Befreiung. Sie schafft neue Welten statt sich den Zwängen des Bestehenden zu unterwerfen.

Ich kenne Jan Leonard Wöllert und Jörg Miedza seit einigen Jahren und bin immer wieder erstaunt über die Energie und den Elan, mit dem die beiden zu Werke gehen.

Die Leichtigkeit und Anmut der LAPP Kunstwerke können dabei schnell vergessen machen, dass es sich nicht um simple Gelegenheitsschüsse handelt. Wer die Bilder zu lesen vermag, sieht die Zeit und Mühe, aber auch die Begeisterung, mit der diese gemacht worden sind.
 
Die Bilder sind in warmen Nächten, aber auch im kalten Bremer Winter entstanden, zu einer Uhr-zeit, da die Nacht am tiefsten und der Himmel am klarsten ist. Und sie sind nicht selten mit zit-ternden Händen entstanden. Es ist aber nicht die Kälte, die den Körper Zittern macht. Profis haben warme Kleidung. Nein es ist die fast kindliche Freude, die uns befällt, wenn wir der lauten und grellen Zivilisationsmaschinerie entkommen und in der Stille der Nacht Jagd machen auf etwas, was wir noch nicht wirklich kennen aber bereits im tiefen Inneren unserer Seele erahnen.

 


Der Lichtkunstfotograf und Farbenakrobat will nicht nur das Ergebnis, das Kunstwerk. Er will mehr. Er genießt den Prozess des Entstehens selbst. In diesem Prozess reichert er sich mit neuer Erfahrung an und wächst über sich selbst hinaus. So gesehen bringt der LAPP Künstler nicht nur das Kunstwerk, sondern auch sich selbst als Künstler hervor. Das Material, die Idee holt etwas aus dem Schaffenden heraus, was sonst nicht ins Leben getreten wäre. Kunst kommt von Können und Können von Tun.

LAPP bedarf der Technik. Die Ausrüstung ist nicht ganz unwichtig, eine gute und abgestimmte Ausrüstung führt zu besseren Ergebnissen. Wichtiger aber noch als die Ausrüstung ist die Technik des fotografischen und künstlerischen Prozesses. Diese wird in diesem Buch erstmalig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Wer eine einfache Gebrauchsanleitung für den schnellen und perfekten Fotoschuss sucht, der sollte das Buch besser gleich aus der Hand legen. Zwar kann man auch gewinnbringend zwi-schen den verschiedenen Seiten hin und her blättern, letztlich aber muss - wer LAPP bemeistern will - die Technik und das Verfahren verstehen. Das ist nicht immer einfach.

Dem Lernenden aber sei dies Buch empfohlen. Es eröffnet eine neue Welt neuer fotografischer und künstlerischer Möglichkeiten.

Rainer Opolka

 

Kunst- & Literaturpark SCHLOSS HUBERTUSHÖHE