Der Teutone verfettet. 58 % der deutschen Männer haben Übergewicht, viele sind zu wahren Fettmonstern mutiert. Noch alarmierender ist die Entwicklung bei den Kindern. Fette Menschen verlieren an Leistungskraft, erkranken häufiger, sterben früher. Die Weltsicht reduziert sich oft auf das Imago der Sahnetorte, die Lust an der Bewegung erlahmt, die Lebensaktivität lässt nach. Ist der Mensch erst mal in der Diät-Fresssucht-Falle, erleben sich viele Menschen als ohnmächtig. Die Entfremdung des Menschen ist auf die Spitze getrieben, der Mensch tritt dem Nächsten überhaupt, seinem eigenen Leib, fremd gegenüber
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Was hat den gesellschaftlichen Verhältnissen Macht über die Körper verliehen?

Die modere Kommunikations-gesellschaft ist weniger denn je auf die körperliche Bewegung des Menschen angewiesen. Der Waldarbeiter sitzt heute in einer vollautomatisierten Maschine, der Bergmann steuert den Kohleabbau per Joystick. Wie von unsichtbaren Fäden gezogen, ordnet der Kommunikations-kapitalismus die Körper vor Bildschirmen an und richtet die Muskeln, Gesichtssinne und Sehnerven genauso haarfein aus wie Astronomen ihre Instrumente auf entfernte Galaxien.

 


In ihrer Gesamtheit bilden die vereinzelt und isoliert in Bildschirme starrenden Individuen eine in Blickrichtung, Bewegung und Denken gleichgeschaltete Armee, die bar aller körperlichen Bewegung nur noch mit den Augen und den Seelenmuskeln marschiert.

In Deutschland werden jährlich etwa 1000 Menschen ermordet oder erschlagen. Etwa 100 000 Prozent höher sein dürfte die Quote derer, die von der Lebensmittelindustrie bis zum Herzinfarkt gemästet werden und deren Bewegungsapparat im Verbund von bewegungsloser Arbeit und süchtig machender Medienindustrie still gestellt worden ist.

Gehen wir zu einer Tankstelle. Das Auto ist der Widerspruch schlechthin, die höchste Mobilität der Gattung Mensch korrespondiert mit der
Körper-Bewegungslosigkeit des Einzelnen. Während unser Auto an den Zapfsäulen die letzen Ressourcen Öl aufnimmt, deren Vergasung zum Klimakollaps beiträgt, werden die Insassen im Tankshop mit hochenergetischem Zuckerwerk bombardiert. Der Staat verfolgt Kleindealer gnadenlos. Gleichzeitig aber dürfen Große, wie Nestle, ihre Zuckerdrogen selbst an die Jüngsten verkaufen, um ihnen mit dem ungesunden Naschwerk schon von früh an das Schokoladen-, Zucker-, Insulinstoß-Verlangen in die Körper zu pumpen. Die modernen Massen-drogen heißen nicht Kokain oder LSD, gedealt wird – und das legal - mit den Nervengiften Alkohol, Zucker und Kakao. Ähnlich wie die Zigarettenindustrie dem Tabak Vanille und Kakao beimischt, damit Erstraucher sich nicht erbrechen, erfinden die Süßwarenimperien immer neue Wirkstoffkombinationen, die Suchtverhalten in die Hirnbahnen implementieren und den Hormonhaushalt derart durcheinander wirbeln, dass die Menschen danach verlangen. 
Das so geweckte Verlangen soll sich selbstredend als Markenbegehren ausleben. Daher sind Heerscharen von Designern, Marketingexperten und Filmemachern rund um die Uhr dabei, die Hirne mit Süßzeug zu verkleistern.

 


In der Folge glauben europäische Kinder, Kühe seien lila und Kinderschokolade ein Beitrag zu gesunder Ernährung.

Die Bilder trügen, und die Auswirkungen des medialen Bombardements auf uns alle und insbesondere auf unsere Kinder sind katastrophal. Die hohen Bilanzerlöse der Food-Akteure sind erkauft um den Preis einer Schädelstätte von Infarkt-und Kollaps-Toten.

Doch so schnell stirbt selbst der 200 Kilo-Mann nicht, der schokobraun goldene Schuss braucht viele Dosen bis zum Exitus, und schließlich leben für die Zeit dazwischen ganze Industrien wie Fitnessstudios, Bewegungstherapeuten, medizinische Fettabsauger, Pharmakonzerne (Schlankheitspillen), Diätzeitschriften, Krankenhausabteilungen und Arztpraxen von dieser Entwicklung.

Der Mensch ist frei. Er kann dem Schokoriegel genauso wie Glimmstängel und
Alkohol entsagen. Genussmittel sind ein Teil des Kulturerbes und niemand sollte Askese oder Verboten das Wort reden. Dennoch, es erstaunt, wie sehr sich die Gesundheitsdebatte auf den „bewussten Umgang mit“ und die „Eigenverantwortung von“ reduziert und dabei die harten krankmachenden Strukturen außer Acht lässt, denen immer mehr Menschen zum Opfer fallen.

 

Kunst- & Literaturpark SCHLOSS HUBERTUSHÖHE